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Vasaris
Marstempel im Gründungsbild
des Palazzo Vecchio
von Florenz

 

In mehreren Kapiteln - den ausführlichsten des ganzen Buches - weist der Verfasser nach, dass Vasari bei den gründlichen Antikenkenntnissen, die er besaß, das Florentiner Baptisterium niemals für ein antikes Bauwerk gehalten hat.
Trotzdem sah sich Vasari genötigt, in der zweiten Auflage der ‘Viten’ die Florentiner Staatsdoktrin vom antiken Ursprung des Bauwerks (tempio antico) positiv zu vertreten.

In dem hier vorgestellten Kapitel wird gezeigt, wie Vasaris Rekonstruktion des Florentiner Marstempels von Villanis Bericht, auf den er sich in der zweiten Auflage der ‘Viten’ affirmativ beruft, fundamental abweicht
Vasari erfindet im Widerspruch zur Marstempelthese einen völlig offenen Pfeiler-Säulen- Tempietto, der sich auch nicht als inneres Gerüst des bestehenden Baptisteriums verstehen lässt.


Damit tritt Vasari in Widerspruch zur offiziellen Marstempelthese und zu Borghini (der sich in den posthum herausgegebenen Discorsi buchstabengetreu an die Marstempelthese hält).
Die Widersprüche der beiden wichtigsten Berater Herzog Cosimos in einer Kernfrage der Florentiner Gründungsideologie werden - von der Forschung bisher kaum wahrgenommen - von Gerhard Straehle zum ersten Mal systematisch herausgearbeitet und dargestellt.
 

In seiner Chronik hatte Giovanni Villani berichtet, daß die Florentiner Siedler einige Jahre nach Gründung der Stadt zur Zeit des Augustus unter Mithilfe von Bauleuten aus Rom einen Marstempel errichtet hätten. An diesem Bauwerk hatte Villani zwei Merkmale hervorgehoben: seine achteckige Form (a otto facce), und die Gestalt von dessen Kultbild, das er als Reiterstandbild (in forma d’uno cavaliere armato a cavallo) beschreibt.  (1)

    (1)   Vgl. Villani I, 42, ed. Dragomanni I, S. 66. – Siehe hierzu II, 1.

Beide Angaben sind in Vasaris Marstempelrekonstruktion berücksichtigt.

    Vasaris Marstempelrekonstruktion im Gründungsbild des Palazzo Vecchio von Florenz

Im Gründungsbild erhebt sich der Marstempel (siehe Abb.) auf einem zweifach gestuften Stylobat und über kompaktem Sockel als eine einstöckige, hoch aufragende, offene Pfeiler-Säulenarchitektur. Das abschließende Gebälk des Bauwerks erscheint dabei fast wie eine Spiegelung des Unterbaus:
Über einem glatten Architrav (welcher dem Sockel entspricht) tritt ein schmales Abschlußgesims vor, welches an der oberen Stufe des Stylobats seine Entsprechung findet, so daß Vasaris oktogonaler Zentralbau nicht nur im Grundriß, sondern auch im aufgehenden Mauerwerk völlig symmetrisch erscheint.

Zum Eindruck einer vertikalen Symmetrie trägt ferner der Umstand bei, daß die Säulen nicht durch ausladende Kapitelle bekrönt werden (Kapitelle sind lediglich durch einen Ring angedeutet) und nur eine Deckplatte zwischen den Säulen und dem Gebälk vermittelt. Auffallendstes Merkmal des Tempels aber sind die streifeninkrustierten Kantenpfeiler, zwischen denen je zwei Säulen eine rhythmische Travée bilden. Zwischen diesen erblickt man ein freistehendes Säulenpostament in der Mitte des Tempels, welches das Reiterstandbild bis über den oberen Abschluß des Kranzgesimses emporhebt und frei in den Himmel ragen läßt. (2)

    (2)    Rubinstein (1967, S. 70) hat die These aufgestellt, Vasari habe den Tempel nicht in fertigem Zustand, sondern in statu nascendi und nur mit dem ersten, unteren Stockwerk gezeigt (“the temple, of which the ground storey only appears completed”).
                Auch wenn man die im folgenden zu betrachtenden Vergleichsbeispiele außer Acht läßt, so zeigt Vasaris Darstellung selbst, daß der Bau als fertig verstanden werden soll, denn
                a) kann das obere Gesims in seiner ausladenden Form nur als Abschlußgesims verstanden werden,
                b) steht das Götterbild bereits inmitten des Tempels, was dessen Fertigstellung voraussetzt, und
                c) schließen die Proportionen des Bauwerks ein weiteres Stockwerk aus (der Tempel würde nach Rubinsteins Hypothese den Charakter eines Turms erhalten).
                Die Forschung der letzten Jahre geht denn auch davon aus, daß Vasari den Tempel als fertiges Bauwerk zeige. 
                Vgl. Breidecker 1992, S. 249 (“an exponierter Stelle ... präsentierte Vasari als einziges bereits fertiggestelltes Gebäude den Mars-Tempel”). - Dabei beruft sich Breidecker (ebd., n. 6) auf Rubinstein, der jedoch, wie gesehen, gerade das Gegenteil behauptet. 
                Vgl. ferner Verdon 1994, S. 16 (“Vasari shows an open-roofed temple”) und  Rocchi 1996, S. 27             (“Il Vasari ... raffigurò il mitico tempio di Marte come un edificio a cielo aperto”).

Wie verhält sich nun Vasaris Martempel im Gründungsbild zur Florentiner Tradition der Marstempelthese ?
         Die spätestens seit der humanistischen Geschichtsschreibung gültige Florentiner Doktrin besagte, daß ein Marstempel aus den Gründungstagen der Stadt die Zeiten unbeschadet überdauert habe und in der Florentiner Taufkirche fortexistiere. Diese Auffassung, welche den Kern der Villanischen Marstempelthese ausmacht, hatten auch Herzog Cosimo und sein gelehrter Berater Borghini in das Geschichtskonzept für die Deckenbilder der Sala Grande aufgenommen, deren Ausführung Vasari oblag. Vasaris erste Quelle für seine Marstempelrekon­struktion mußte also das bestehende Baptisterium selbst sein.        

      Ostfassade des Florentiner Baptisteriums
      (Abbildung nach ‘Il Battistero di San Giovanni a Firenze,    Modena 1994, Abb. 1.)
      F
      Abbildung: Franco Cosimo Panini Editore, Modena

Dieser erhaltene Bau (siehe Abb.) zeigt in seiner äußeren Erscheinung zwei Hauptstockwerke und darüber eine Attika mit Zeltdach.
   Die Hauptstockwerke sind zweischalig, mit einer glatten, durch geometrische Motive gegliederten Innenmauer (die nur im Oberstock durchfenstert ist) und einer in Bögen geöffneten äußeren Schale, die als umlaufende Pilasterarkatur der inneren Mauer vorgeblendet ist und an den Kanten in streifeninkrustierten Pfeilern steckt.

Wenn man von der Grundform des Oktogons absieht, so hat Vasari von diesem Bau nur ein Merkmal unzweideutig auf seine Marstempelrekonstruktion übertragen: die Streifeninkrustation der Kantenpfeiler. Dieses charakteristische Merkmal aber ist, folgt man Vasaris Angaben in den Viten von 1550, ein Kennzeichen des mittelalterlichen Bauwerks, und zwar des Außenbaus von San Giovanni (incrostatura di fuori di S. Giovanni), welchen Vasari in diesem Zusammenhang in die Epoche Buschettos, Arnolfos und Giottos datiert.   (3)

    (3)        Vgl. Vasari [1550/68], ed. Barocchi/Bettarini III, S. 9. - Siehe hierzu das Kapitel IV, 3 b zu Vasaris Viten von 1550.

Vasaris Marstempelrekonstruktion aber ist eine einstöckige, offene Pfeiler-Säulen-Architektur mit geradem Gebälk, ein Bauwerk, das sich auf keine Weise mit einer vorgelegten Arkatur oder einem inkrustierten Gehäuse als späteren Zusätzen verbinden läßt.  (4)

    (4)     Breidecker hat Vasaris Darstellung des Marstempels mit dem erhaltenen Baptisterium dadurch in Einklang zu bringen versucht, daß er Vasaris Rekonstruktion als Wiedergabe des Kernbaus interpretierte (“der bauliche Nukleus des späteren Baptisteriums”; Breidecker 1992, S. 250).
             Diese Auffassung scheitert an der Tatsache, daß die streifeninkrustierten Kantenpfeiler ein Merkmal des Baptisteriums-Außenbaus und nur des Außenbaus sind - im Innern, wo es den doppelten Stützenwechsel (Pfeiler – Säule – Säule – Pfeiler) gibt, stehen anstelle der inkrustierten Kantenpfeiler an den entsprechenden Stellen (d.h. in den Ecken) kannelierte Pilaster mit korinthischen Kapitellen - und daß in Vasaris offenem Tholos alle tragenden Elemente in einer Ebene angeordnet sind. 
             Unter den modernen Forschern identifiziert allein umstandslos Chrétien (1994) Vasaris Phantasietempietto mit dem Baptisterium:
    „In another significant visual juxtaposition (…) Giorgio Vasari included an image of the Baptistery in the background of ‘The Foundation of the colony of Florence under the Roman Triumvirate’.” (op.cit.,  S. 20; Herv., G.S.)
             Hier wie an anderer Stelle ihrer Abhandlung setzt sich Chrétien über alle differentia specifica hinweg und unterwirft die historische Überlieferung ihrer spekulativen Geschichtskonstruktion.
             Sie begründet die Darstellung des Marstempel-Baptisteriums im Hintergrund von Vasaris Gründungsbild (an image of the Baptistery) damit, daß die ‘dynamische und einheitliche Beziehung zwischen den Zwillingspatronen von Florenz, Mars und Johannes dem Täufer’, in dieser Darstellung bekräftigt werden soll:
    „In it, the dynamic and unique relationship between the twin patrons of Florence, Mars and St. John (…) are boldly asserted.”  (ebd.; Herv., G.S.)
             Chrétien sieht in Vasaris Gründungsbild den gleichen Synkretismus am Werk, den sie zuvor in der Florentiner Literatur (freilich ohne Belege zu liefern) ausgemacht haben will, welcher zu einer ‘psychologischen und körperlichen Überlappung’ zwischen Mars und Johannes dem Täufer, den ‘Zwillingspatronen von Florenz’ geführt habe:
     „As shown above, Mars and San Giovanni were often paired in Florentine literature and a kind of psychological and corporeal overlap between the two began to occur. Physical and moral characteristics of one were reflected and strengthened in the other. Giovanni usurped the physical location of Mars’ cult temple and substantial elements that were originally part of the cult of Mars, such as fertility and spring revival rites, were absorbed into that of the Christian saint.”  (op.cit., S. 20 f.) 
             Chrétien macht ihre in den Quellen nicht nachweisbare Annahme, Mars und Johannes der Täufer hätten in der Florentiner Literatur ein ‘Zwillingspaar’ gebildet - das ‘As shown above’ ersetzt einen fehlenden Nachweis - zur Leitthese ihrer Untersuchung, und die Usurpation des Marstempels durch Johannes den Täufer wird zur Absorption von substantiellen Elementen des heidnischen Kultus durch den der christlichen Religion.
             Chrétien erklärt nicht, warum Vasaris Phantasietempietto so wenig mit dem Baptisterium gemein hat und wie die fehlende ‘körperliche Überlappung’ bei vorhandener ‘Usurpierung des physikalischen Ortes’ zu einer ‘Absorbierung’ des heidnischen Kultes in dem Johannes des Täufers geführt hat (oder meint sie es umgekehrt?)

Wenn Vasari durch die Grundform des Oktogons und das Merkmal der inkrustierten Kantenpfeiler die Identität seiner Marstempelrekonstruktion mit dem Florentiner Baptisterium ostentativ herausstellt, in allen anderen Merkmalen aber vom erhaltenen Bauwerk abweicht, so ist zu fragen, durch welche archäologischen Befunde oder literarischen Quellen er seine Abweichungen begründet, will man sich diese nicht nur als künstlerische Variatio erklären.

Die erste Quelle für Vasari ist Villani, der mit seiner Beschreibung der Marsstatue als Reiterstandbild zweifellos ein signifikantes Detail für Vasaris Rekonstruktion geliefert hat. Villani überliefert freilich noch weitere Nachrichten.

In seinem Bericht von der Umwidmung des Tempels zur Taufkirche in der Epoche Konstantins steht zu lesen, die Florentiner hätten nach Entfernung des Kultbildes dem Bau einen Chor hinzugefügt (ov’ è oggi il coro ... non v’era la detta aggiunta) und im Jahr 1150 dem ehemaligen Tempel noch eine Laterne mit Kugel und Kreuz aufgesetzt (il capannuccio .. e la mela, e la croce).   (5)

    (5)  Villani I, 60, ed. Dragomanni I, S. 83.
             Villani läßt offen, ob an der Stelle des neuerrichteten Altars (der sog. Scarsella), d.h. an der westlichen Oktogonseite, zuvor ein Portal gewesen ist. Diese Auffassung vertritt erst Borghini in seinen Discorsi (1584 I, S. 163 u. 164), und Borghini veranschaulicht diese angenommene bauliche Veränderung der Taufkirche gegenüber dem Marstempel anhand einer zeichnerischen Rekonstruktion (siehe das Kapitel IV, 7 d).
             Die Angabe von Paatz (1941, II, S. 222, n. 19), Villani berichte in Buch I, cap. 55 von dieser baulichen Veränderung (“damals hätte man die drei Portale im Süden, Osten und Norden eingebrochen”; ebd.) ist frei erfunden. Von dieser Nachricht findet sich bei Villani keine Spur. (Die gleiche falsche Ansicht vertritt auch Horn 1938, S. 142, n. 9.) - An der von Paatz und Horn angegebenen Stelle (ed. Dragomanni I, S. 76) findet sich bei Villani nur eine kurze Notiz über Volterra.

Dort, wo heute die Laterne stehe, sei der Tempel zuvor ‘nach Art des Pantheons’ oben offen gewesen (era aperto di sopra al modo di santa Maria Ritonda), wobei Villani als Grund hierfür die Aufstellung des Marsstandbildes angibt, das auf diese Weise ‘zum Himmel geöffnet’ gewesen sei (accioché il loro Iddio Marti ... fosse scoperto al cielo).   (6)

    (6)  ebd.

Eine letzte bauliche Veränderung am Baptisterium erwähnt Villani dann für das Jahr 1293. Damals seien die Kantenpfeiler, die zuvor aus einfachem Macignostein waren, mit schwarzem und weißem Marmor inkrustiert worden (si feciono .. i pilastri de' gheroni di marmi bianchi e neri .. che prima erano di macigni ).   (7)

    (7)  Vgl. Villani VII.I, 3, ed. Dragomanni II, S. 8 f.  - Diese Angabe Villanis wird von der modernen Forschung als zuverlässig erachtet.
             Faßt man die Angaben Villanis zusammen, so hat der ursprüngliche Bau des Marstempels sich nur in drei wesentlichen Merkmalen vom Baptisterium seiner Zeit unterschieden:
    a) durch das Fehlen des Choranbaus (il coro; l’aggiunta),
    b) durch das Fehlen der Laterne (il capannuccio), an deren Stelle der Tempel ‘nach Art des Pantheons’ oben offen war (aperto di sopra al modo di santa Maria Ritonda) und
    c) durch die ehemals einheitlichen Kantenpfeiler aus grauem Macignostein (gheroni .. di macigni), welche Ende des 13. Jahrhunderts durch wechselnde Lagen aus weißem und schwarzem Marmor ersetzt worden seien.
             Weitergehende Rekonstruktionsversuche der modernen Forschung zu Villanis Vorstellung vom Ursprungszustand des Baptisteriums können nur Mutmaßungen sein, so die Existenz eines einzigen Portals im Westen an der Stelle des späteren Altars. Erst Borghini hat diese Auffassung geäußert (siehe das Kapitel zu Borghini) und spätere Forscher haben dessen These, die sich freilich leicht als Konsequenz zu Villanis Angaben verstehen läßt, auf den Chronisten zurückprojiziert.

Diese zusätzlichen Angaben des Chronisten zu den späteren baulichen Veränderungen am Baptisterium, aus denen sich Rückschlüsse über den Ursprungszustand des Marstempels gewinnen lassen, hat Vasari für seine Rekonstruktion offensichtlich nicht berücksichtigt. (8)

    (8)  Verdon (1994, S. 16) vertritt die Auffassung, Vasari habe die Angaben Villanis bei seiner Marstempelrekon- struktion exakt ins Bild umgesetzt.
       „In effect, Vasari illustrates Villani’s words: (.....) in the middle ground just inside the walls, Vasari shows an open-roofed temple with handsome columns and, at the corners, pilasters with alternating bands of color, exactly as in San Giovanni. Visible through an opening in the roof  is an equestrian statue of Mars on a high column.“ (Verdon 1994, S. 16.; Herv.,G.S.)
             Doch stellt Vasari keine ‘Öffnung im Dach’ (opening in the roof) dar, und die von Villani als mittelalterlich überlieferten Kantenpfeiler integriert Vasari seinem antiken Tempel.

Denn Vasari zeigt einen oben offenen Tempel ohne jedes Dach, während Villani von einer ehemaligen Öffnung im Dach ‘nach Art des Pantheons’ berichtet, welche durch die Laterne 1150 überdeckt wurde.

Vasaris Marstempelrekonstruktion

Rom, Pantheon

Vasari scheidet damit gleichzeitig ein von Villani ins Spiel gebrachtes Bauwerk aus der Reihe möglicher Vorbilder aus: das Pantheon.

Hatte Villani seinen Vergleich des Florentiner Marstempels mit dem Pantheon auf die Öffnung im Dach beschränkt (während er die strukturellen Ähn­lichkei­ten im Inneren beider Bauwerke gar nicht erwähnt), so fällt bei Vasari durch den Verzicht auf jedes Dach auch dieser Vergleichspunkt fort. Zwischen Vasaris Marstempelrekonstruktion und dem Pantheon gibt es nicht die geringste Gemeinsamkeit.

Mag man nun das Fehlen eines Daches noch als eine künstlerische Freiheit Vasa­ris deuten, der nur das Reiterstandbild unverstellt zeigen wollte,  (9) so läßt sich die zweite Abweichung Vasaris von Villa­nis Bericht nicht mehr als gestalterische Variatio interpretieren:

    (9)    Vgl. Rubinstein 1967, S. 70.

Denn indem Vasari die Streifeninkrustierung der Kantenpfeiler als hervorstechendes Merkmal des antiken Ursprungsbaus herausstellt, datiert er gleichsam die von Villani für das Jahr 1293 überlieferte Baunachricht einer Inkrustation dieser Pfeiler um über tausend Jahre zurück, obwohl er doch selbst die Außeninkrustation von San Giovanni (incrostatura di fuori di San Giovanni) in der Einleitung zu den Viten von 1550 als mittelalterlich charakterisiert hatte.
   Diese Widersprüche verstärken die Zweifel an der These, Vasari habe das Baptisterium jemals für antik gehalten.  (...........)

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